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klassische Lehre

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Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

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    Ausführliche Definition

    1. Begriff: Als klassische Lehre bezeichnet man die ökonomischen Vorstellungen der Klassiker, v.a. der engl. Klassiker (Smith, Ricardo, Malthus und Mill). Die Abgrenzung ist weder nach Personen noch nach Lehrinhalten völlig eindeutig. Das wichtigste Werk der klassischen Lehre ist Smiths „The Wealth of Nations“.

    2. Inhalt: a) Grundlagen: Objekt der klassischen Analyse ist das wirtschaftliche Handeln des Individuums, das v.a. durch Eigennutz erklärt wird (utilitaristischer Ansatz). Präzisiert wird diese Vorstellung durch das Bild des Homo oeconomicus. Smith versuchte zu zeigen, dass das eigennützig handelnde Individuum nicht nur die eigene Wohlfahrt vermehrt, sondern auch dem allg. Wohl dient. Auf diese Sicht gründet sich die Forderung des klassischen Liberalismus nach individueller Freiheit bei weitestgehender Zurückhaltung des Staates (Laissez-faire-Prinzip), dessen Hauptaufgabe in der Sicherung der Freiheit des Einzelnen sowie der Schaffung eines ordnungspolitischen Rahmens besteht. Voraussetzung dafür, dass das individuelle Streben nach Eigennutz tatsächlich auch das Gemeinwohl fördert, ist das Vorhandensein eines wirksamen Konkurrenzmechanismus, das Smith mit dem Bild der unsichtbaren Hand (Invisible Hand) veranschaulicht. Das Konkurrenzgleichgewicht (Marktgleichgewicht) wird so automatisch erreicht.

    Zentrales Anliegen der klassischen Lehre ist die langfristige Analyse, die Erklärung des Trends und nicht die kurzfristigen Abweichungen von diesem. Schwerpunktmäßig befasst sich die klassische Lehre mit Produktion, Preisbildung, Verteilung, Beschäftigung und Wachstum.

    b) Produktion und Preisbildung:
    (1) Produktion und Angebot stehen im Vordergrund der klassischen Lehre, nicht Konsum und Nachfrage. Zwar müssen die produzierten Güter für die Nachfrager Nutzen stiften, jedoch wird dies als selbstverständlich angesehen und nicht weiter analysiert. Die klassische Lehre unterscheidet die drei Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital und Boden. Das Bild der Wirtschaft ist stark durch die Produktionsbedingungen der Landwirtschaft geprägt. Rohstoffvorräte und Lebensmittel, die zur Versorgung der Arbeiter während der Produktionsperiode dienen, werden zum Kapital gezählt. Dem entspricht die Unterscheidung zwischen einem fixen und einem variablen Teil des Kapitalstocks, letzterer wird als Lohnfonds bezeichnet. Solange noch kein Kapital angehäuft und der Boden ein freies Gut ist, sind nach der klassischen Lehre die Tauschrelationen (relative Preise) ausschließlich durch die Menge der bei der Produktion eingesetzten Arbeit erklärt. Den Preis, der sich aufgrund der eingesetzten Arbeitsmenge ergibt, bezeichnet die klassische Lehre als natürlichen Preis. Der Marktpreis kann nur temporär um diesen schwanken, falls es zu Abweichungen von Angebot und Nachfrage kommt; langfristig muss er mit dem natürlichen Preis übereinstimmen. Die Tauschrelationen verändern sich, wenn zusätzliche Kapitaleigentümer und Grundbesitzer auftreten, weil diese Kapital und Boden nur dann für die Produktion zur Verfügung stellen, wenn sie dafür entschädigt werden. Für die ökonomische Analyse ist dies aber ohne prinzipielle Bedeutung.
    (2) Die Nachfrage spielt bei der Preisbestimmung keine Rolle. Sie beeinflusst lediglich die getauschten Mengen. Während die relativen Preise durch die Produktionssphäre bestimmt werden, ist das Preisniveau durch die Geldmenge bestimmt. Nach der klassischen Lehre bildet das Geld einen Schleier, der die realwirtschaftlichen Vorgänge verdeckt, aber nicht beeinflusst. Da das Geld keinen direkten Nutzen stiftet, hat eine Veränderung von Geldmenge oder Umlaufgeschwindigkeit lediglich eine Veränderung des Preisniveaus zur Folge (Neutralität des Geldes), aber keinen Einfluss auf Beschäftigung und Produktion. Monetärer und realer Sektor sind also voneinander unabhängig (klassische Dichotomie).

    c) Verteilung, Beschäftigung und Wachstum: Die Güternachfrage ist nicht nur für die Preisbestimmung unbedeutend. Sie hat auch keinen Einfluss auf die Höhe des Gesamteinkommens, sondern bestimmt lediglich die Produktionsstruktur. Die Frage, ob die Gesamtnachfrage ausreicht, um die produzierte Gütermenge aufzunehmen, stellt sich nicht. Die klassische Lehre argumentiert dabei mit dem Sayschen Theorem, nach dem sich jedes Angebot seine eigene Nachfrage schafft. Die Ursache für die Produktionstätigkeit ist der Wunsch nach Bedürfnisbefriedigung. Das durch die Produktionstätigkeit erzielte Einkommen fließt entweder in den Konsum oder es wird gespart. Das Sparen wird direkt oder indirekt - über eine Kreditgewährung - zur Bildung von Sachkapital verwendet, stellt also keinen Nachfrageausfall dar. In einer Naturalwirtschaft ist - auf längere Sicht - ein solcher Nachfrageausfall unmöglich. In einer Geldwirtschaft kann es zu einem gesamtwirtschaftlichen Nachfragedefizit nur kommen, wenn das Einkommen weder verausgabt noch als Kredit zur Verfügung gestellt wird. Die Möglichkeit der Hortung wird von der klassischen Lehre mit der Begründung zurückgewiesen, dass das Halten von Geld keinen Nutzen stifte. Es können nur Nachfragedefizite auf einzelnen Märkten auftreten, denen jedoch Überschussnachfragen auf anderen Märkten gegenüberstehen. Wegen des Konkurrenz- bzw. Preismechanismus werden diese partiellen Ungleichgewichte jedoch nicht dauerhafter Natur sein. So führt die Konkurrenz der Arbeitsanbieter untereinander dazu, dass der Lohnsatz sich auf eine Höhe einstellt, die mit der Beschäftigung aller Arbeitswilligen vereinbar ist. Es existiert nur freiwillige Arbeitslosigkeit.

    Wächst der Kapitalstock rasch genug, kann die Vollbeschäftigung mit steigenden Reallöhnen und sinkenden Profiten einhergehen. Eine positive Differenz zwischen tatsächlichem Lohnsatz und Existenzminimum führt nach der klassischen Lehre zu einer Zunahme des Arbeitsangebots. Dies hat einen wachsenden Konkurrenzdruck zwischen den Arbeitnehmern zur Folge, sodass der Lohnsatz schließlich wieder auf die Höhe des natürlichen Lohns absinkt. Trotz Konkurrenz auf den Gütermärkten resultieren positive Unternehmergewinne (Arbeitswertlehre).

    3. Beurteilung: Die klassische Lehre ist keine völlig einheitliche Theorie. Gemeinsam ist den Klassikern eine utilitaristische, d.h. auf individuellem Nutzen und letztlich kollektiver Wohlfahrt basierende Auffassung und die Vorstellung eines ökonomischen, allgemeinen Gleichgewichts, das entweder nicht oder nur vorübergehend verlassen wird. Beide Punkte sind häufig auch Gegenstand der (Prämissen-)Kritik: Am utilitaristischen Menschenbild wird kritisiert, dass es von unrealistischen Voraussetzungen ausgehe. Das Individuum müsste Handlungsalternativen haben und seine Präferenzen dürften von anderen nicht beeinflusst werden. In der klassischen Lehre wird von jedem sozialen Verhalten abstrahiert. Die schon von Mill geforderte Konkretisierung des Konzepts durch Einbeziehung anderer Motive blieb weitgehend aus. Die auf dem Sayschen Theorem aufbauende Gleichgewichtsidee wird umfassend im Rahmen des Keynesianismus kritisiert.

    4. Weiterentwicklung der klassischen Lehre durch die Neoklassik.

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      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Artur Woll
      Universität Siegen,
      Fachbereich Wirtschaftswissenschaften
      Volkswirtschaftslehre

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