Direkt zum Inhalt

soziale Sicherung

Definition

Die soziale Sicherung stellt einen der zentralen Zweige der Sozialpolitik dar. Sie dient der Überwindung bestimmter Fälle von Marktversagen, speziell im Zusammenhang mit der Bildung und Verwertung von Humankapital bzw. Humanvermögen, sowie der Erreichung bestimmter verteilungspolitischer Ziele (Sozialpolitik in der Marktwirtschaft).

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Begriff: Die soziale Sicherung stellt einen der zentralen Zweige der Sozialpolitik dar. Sie dient der Überwindung bestimmter Fälle von Marktversagen, speziell im Zusammenhang mit der Bildung und Verwertung von Humankapital bzw. Humanvermögen, sowie der Erreichung bestimmter verteilungspolitischer Ziele (Sozialpolitik in der Marktwirtschaft).

    2. Organisation: In Deutschland werden Leistungen der sozialen Sicherung im Rahmen eines gegliederten Systems erbracht. Die traditionelle Form der sozialen Sicherung in Form von Körperschaften des öffentlichen Rechts mit Selbstverwaltung gilt für die gesetzliche Krankenversicherung, Unfallversicherung, Rentenversicherung und Pflegeversicherung. Eine bes. Form der Selbstverwaltung gilt für die Bundesagentur für Arbeit, die v.a. die Arbeitslosenversicherung administriert. Ergänzend erbringen allg. staatliche oder kommunale Verwaltungen Leistungen in den Bereichen Sicherung der Familie und von Kindern, Grundsicherung Erwerbsfähiger (Arbeitslosengeld II), Sozialhilfe, Wohnungspolitik (soziale Sicherung des Wohnens), Eingliederung behinderter Menschen, soziale Sicherung von Wehrpflichtigen und Zivildienstleistenden und Absicherung von Kriegsfolgen.

    Im Gegensatz zu Deutschland wird in anderen entwickelten Ländern soziale Sicherung oft direkt vom Staat angeboten (Beveridge-Plan). Die Leistungen sind dadurch politisch besser steuerbar, aber auch relativ unsicher, wenn im Staatshaushalt Finanzierungsprobleme auftreten. Daneben spielen Privatversicherungen oftmals eine größere Rolle als in Deutschland.

    3. Gesetzliche Regelungen: Das Sozialgesetzbuch (SGB) enthält wichtige gesetzliche Grundlagen der sozialen Sicherung in Deutschland. Die Sozialgerichtsbarkeit dient der juristischen Kontrolle in einem eigenen Instanzenzug.

    a) Leistungen: Die meisten Leistungen der sozialen Sicherung werden in Bundesgesetzen geregelt. Das gilt insbesondere auch für die Leistungen der Sozialversicherungen, da diese gesetzliche Zwangsversicherungen darstellen. Gleichartige Träger eines Versicherungszweiges der Sozialversicherung müssen im Wesentlichen gleiche Leistungen (Regelleistungen) anbieten. Darüber hinaus können durch Regelung in der Satzung der einzelnen Träger jedoch auch Mehrleistungen erbracht werden, die allerdings nur eine geringe Rolle spielen.

    b) Finanzierung: Die Finanzierung der Sozialversicherungen erfolgt überwiegend aus (zweckgebundenen) Beiträgen, unmittelbar vom Staat angebotene Leistungen der sozialen Sicherung werden aus allg. Haushaltsmitteln (Steuern, öffentliche Kreditaufnahme) finanziert. Nennenswerte Zuschüsse aus allg. Haushaltsmitteln erhalten allerdings auch die Rentenversicherung und, in wachsendem Maße, die Krankenversicherung.

    c) Beitragshoheit: Eine wesentliche Befugnis der Selbstverwaltung der sozialen Sicherung, die Beitragshoheit, gilt heute nur noch in der Unfallversicherung, bei der die einzelnen Träger ihre ausschließlich durch die Unternehmer zu erbringenden Beiträge mittels Satzung festlegen. Bis zur Gesundheitsreform 2007 herrschte auch in der Krankenversicherung volle Beitragshoheit, mit regional und nach Kassen unterschiedlichen Beitragssätzen. Seither erfolgt die Beitragsfestsetzung, wie schon zuvor bei der Rentenversicherung, durch gesetzliche Regelung; die einzelnen Krankenkassen haben aber seit 2009 das Recht, Zusatzbeiträge für ihre Mitglieder festzusetzen.

    4. Aktuelle Herausforderungen: Sozialpolitik in der Marktwirtschaft.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap soziale Sicherung Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/soziale-sicherung-46058 node46058 soziale Sicherung node42936 Sozialpolitik node46058->node42936 node44608 Pflegesatz node38617 Krankenhaus node44608->node38617 node31196 Beveridge-Plan node31196->node46058 node44201 Sozialversicherung node44201->node46058 node28284 Beitragshoheit node28284->node46058 node28284->node44201 node43493 Selbstverwaltung node43493->node46058 node27524 Ärztekammer node43493->node27524 node34091 Hartmannbund node34091->node27524 node39111 Kassenärztliche Vereinigung (KV) node39111->node46058 node27524->node46058 node27524->node39111 node34068 Fallpauschale node34068->node38617 node28406 Bismarcksche Sozialversicherungspolitik node42936->node28406 node29345 Allgemeine Wirtschaftspolitik node42936->node29345 node34513 Gesundheitswesen node38617->node46058 node38617->node34513 node46654 Sozialbericht node46654->node42936 node47194 Wirtschaftsunion node47194->node42936 node28406->node46058 node28406->node31196 node28406->node44201 node43496 Sozialstaat node28406->node43496 node43496->node46058
      Mindmap soziale Sicherung Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/soziale-sicherung-46058 node46058 soziale Sicherung node42936 Sozialpolitik node46058->node42936 node38617 Krankenhaus node38617->node46058 node27524 Ärztekammer node27524->node46058 node28284 Beitragshoheit node28284->node46058 node28406 Bismarcksche Sozialversicherungspolitik node28406->node46058

      News SpringerProfessional.de

      • Persönlichkeit und Motivation müssen stimmen

        Beim Besetzen vakanter Stellen achten Vertriebsleiter oft stärker auf die fachliche Qualifikation der Bewerber als auf deren Persönlichkeit und Motivation. Michael Schwartz, Leiter des Instituts für integrale Lebens- und Arbeitspraxis in Esslingen, erläutert, warum diese beiden Faktoren im Vertrieb so wichtig sind.

      • Neue Recruitingstrategien gegen den Fachkräftemangel

        Für den deutschen Mittelstand wird der Fachkräftemangel zum Geschäftsrisiko, zeigen Studien. Und die Situation soll sich noch verschärfen. Höchsten Zeit also, bei der Personalbeschaffung neue Weg zu gehen, so Gastautor Steffen Michel. 

      • Weniger IPO-Prospekt, dafür mehr Anlegerschutz

        Wer sich bislang per Börsengang Geld am Kapitalmarkt besorgen wollte, musste einen aufwendigen Prospekt erstellen. Eine Neuregelung sorgt jetzt bei kleineren IPOs (Initial Public Offering) für Abhilfe. Wie die Voraussetzungen aussehen, erklärt Rechtsanwalt Jörg Baumgartner in seinem Gastbeitrag.

      • Whatsapp startet Business-Offensive

        Im Servicefall können Verbraucher einige Unternehmen bereits über den Messenger-Dienst Whatsapp kontaktieren. Doch was passiert, wenn der Kundenservice Nachrichten initiativ versendet? Ein neues Business-Tool soll genau das ermöglichen.

      • Kundennutzenmodelle im B2B-Vertrieb von E-Marktplätzen

        Elektronische B2C-Marktplätze müssen ihre über Jahre errungene dominante Marktstellung in Gewinne umzumünzen, ohne ihre Marktstellung zu gefährden. Dazu gehört, Preise für langjährige Händler drastisch zu erhöhen. Kundennutzenmodelle spielen dabei eine wichtige Rolle.

      • "Belastete Geschäftsmodelle sind meistens nicht genug innoviert"

        Der ehemalige Roland-Berger-Krisenberater Thomas Knecht hat an der Spitze von Hellmann den Turnaround des weltweiten Logistikers geschafft. Branche und Wirtschaft fordert er zu mehr Wachsamkeit auf. Im Interview spricht er über Anpassungsfähigkeit und Insolvenzschutz.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Martin Werding
      Ruhr-Universität Bochum,Lehrstuhl für Sozialpolitik und öffentliche Finanzen, Fakultät für Sozialwissenschaft

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Mit Blick auf die Zukunft der sozialen Sicherung sind derzeit Herausforderungen feststellbar, die wegen ihrer Dynamik als Umbrüche bezeichnet werden können. Dazu gehören u.a. die immensen Anforderungen bei der Integration von zugewanderten …
      Der Beitrag führt zunächst in den Begriff und die Definition von Public Marketing in Abgrenzung und im Vergleich zu Paradigmen aus den Diskursen um ‚Bürgernähe‘, ‚New Public Management‘ und ‚Governance‘ ein. Public Marketing kann dabei als …
      Der Beitrag zeigt eingangs auf, inwieweit Transdisziplinarität in Abgrenzung sowie mit Schnittmengen zur Multi- und Interdisziplinarität beschrieben werden kann. Ferner werden die Gegenstandsbereiche der Multi-, Inter- und Transdisziplinarität …

      Sachgebiete

      Interne Verweise