Direkt zum Inhalt

Freizone

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    Inhaltsverzeichnis

    1. Zollrecht
    2. Entwicklungspolitik

    Zollrecht

    1. Begriff: Der frühere zollrechtliche Begriff Freihafen ist im Gemeinschaftszollrecht und dem Zollkodex (ZK) durch den Begriff Freizone abgelöst und um den Begriff Freilager ergänzt worden. Im Unionszollrecht sind Freizonen ein Unterfall des besonderen Verfahrens der Lagerung. Damit verlieren sie weiter an Bedeutung. Derartige Einrichtungen dienen generell dem Umschlag und der zeitlich unbegrenzten Lagerung von Waren aller Art. Nach der Legaldefinition (ex-Art. 166 ZK) sind Freizonen oder Freilager Teile des Zollgebietes der Union oder in diesem Zollgebiet gelegene Räumlichkeiten, die vom übrigen Zollgebiet getrennt sind und in denen:
    (1) Nicht-Unionswaren für die Erhebung der Einfuhrabgaben und Anwendung der handelspolitischen Maßnahmen bei der Einfuhr als nicht im Zollgebiet der Union befindlich angesehen werden, sofern sie nicht in den zollrechtlich freien Verkehr oder ein anderes Zollverfahren übergeführt oder unter anderen als den im Unionszollrecht vorgesehenen Voraussetzungen verwendet oder verbraucht werden;
    (2) für bestimmte Unionswaren aufgrund des Verbringens in die Freizone oder das Freilager die Maßnahmen anwendbar werden, die grundsätzlich an die Ausfuhr der betreffenden Waren anknüpfen, sofern dies in einer bes. Unionsregelung vorgesehen ist. Danach werden Nicht-Unionswaren für die Erhebung der Einfijrabgaben und auch bei der Anwendung von handelspolitischen Maßnahmen bei ihrer Einfuhr als nicht im Zollgebiet der Union befindlich angesehen.

    2. Merkmale: Die Mitgliedsstaaten erklären unter Festlegung der geografischen Abgrenzung Teile des Zollgebietes der Union als Freizone (Art. 243 UZK). In Deutschland sind nur die Freihäfen durch Gesetz als Freizonen eingerichtet worden (seit dem 1.5.2016 gibt es nur noch die Freizonen Bremerhaven und Cuxhaven). Diese Einrichtungen unterliegen der zollamtlichen Überwachung sowie der möglichen Zollkontrolle von Personen und Beförderungsmitteln an den Ein- und Ausgängen der Freizonen (Art. 243 IV UZK). Seit dem 1.5.2016 und der vollständigen Geltung des Unionszollkodex gibt es nur noch eingezäunte Freizonen (Art. 243 III UZK, im Gemeinschaftszollrecht: Freizone des Kontrolltyps I). An den Zu- und Ausgängen liegen Zollstellen. Das Verbringen in die Freizone und das Entfernen daraus werden dort überwacht. Unter den im Unionszollkodex vorgesehenen Voraussetzungen sind alle industriellen und gewerblichen Tätigkeiten sowie alle Dienstleistungen zugelassen (Art. 244 II UZK); sie müssen zuvor dem Hauptzollamt mitgeteilt werden. Nicht-Unionswaren können während ihres Verbleibs in der Freizone oder dem Freilager den auch für Waren in Zolllagern üblichen Behandlungen unterzogen, in den zollrechtlich freien Verkehr überführt, in aktive Veredelungsverkehre verbracht werden. Unter den vorgesehenen Voraussetzungen sind ebenfalls Aktive Veredelung, vorübergehende Verwendung, oder Zerstörung von Waren und Wiederausfuhr zulässig.

    4. Abgrenzung: Wer in einer Freizone eine Tätigkeit im Bereich der Lagerung, der Be- oder Verarbeitung oder des Kaufs oder Verkaufs von Waren ausübt, muss die von der Zollbehörde verlangten Bestandsaufzeichnungen führen, die die Warenbewegungen im Zu- und Abgang erkennen lassen. Waren können aus Freizonen:
    (1) aus dem Zollgebiet der Union ausgeführt oder wiedereingeführt oder
    (2) in das übrige Zollgebiet der Union verbracht werden. Im letzteren Fall sind die Waren zu gestellen, anzumelden und dem jeweiligen Zollverfahren zuzuführen. Im Fall der Ausfuhr achten die Zollbehörden auf die Einhaltung ausfuhrrechtlicher Bestimmungen.

    In Freizonen entsteht nach Art. 79 UZK eine Zollschuld (Einfuhrzollschuld), wenn eine einfuhrabgabenpflichtige Ware in einer Freizone unter anderen als den nach der geltenden Regelung vorgesehenen Voraussetzungen verbraucht oder verwendet wird. Zollschuldner sind Personen, die die Ware verbraucht oder verwendet haben, sowie die Personen, die an diesem Verbrauch oder bei dieser Verwendung beteiligt waren, obwohl sie wussten oder billigerweise hätten wissen müssen, dass die Ware unter anderen als den nach der geltenden Regelung vorgesehenen Voraussetzungen verbraucht oder verwendet wird. Für Agrarwaren gelten Besonderheiten, die sich aus den speziellen Bestimmungen des Marktordnungsrechts ergeben (z.B. Ausfuhrerstattungen).

    Entwicklungspolitik

    Sonderwirtschaftszone, Freihandelszone.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Freizone Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/freizone-36686 node36686 Freizone node36744 Gemeinschaftszollrecht node36686->node36744 node33158 Freihafen node33158->node36686 node37854 Inland node33158->node37854 node33435 Freizonenfiktion node33158->node33435 node50937 Zollgebiet node33158->node50937 node36745 Einfuhr node33158->node36745 node27633 aktive Veredelung node27633->node36686 node33478 Freihafen-Veredelung node33478->node36686 node33478->node33158 node33478->node27633 node49561 Veredelungsverkehr node33478->node49561 node36587 Unionswaren node36587->node36686 node38563 Nicht-Unionswaren node38563->node36686 node33435->node36686 node33435->node36587 node33435->node38563 node33435->node50937 node50937->node36686 node41051 Kontingent node41051->node36745 node36502 Europäische Kommission node36744->node36502 node51668 AEUV node36744->node51668 node47067 Zollunion node36744->node47067 node34426 Gemeinsamer Zolltarif der ... node36744->node34426 node42300 Präferenzzoll node42300->node36745 node38243 Kriegswaffenkontrollgesetz (KWKG) node38243->node36745 node50827 Ware node36745->node36686 node36745->node50827
      Mindmap Freizone Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/freizone-36686 node36686 Freizone node36744 Gemeinschaftszollrecht node36686->node36744 node36745 Einfuhr node36745->node36686 node33158 Freihafen node33158->node36686 node33435 Freizonenfiktion node33435->node36686 node33478 Freihafen-Veredelung node33478->node36686

      News SpringerProfessional.de

      • Exportentwicklung Werkzeugmaschinen

        Ein aktueller Quest Report verbindet Exportmärkte und Durchschnittswerte von Werkzeugmaschinen in Euro und die Wirkung auf die Exporte nach China seit 2008. Steigende Durchschnittswerte von Werkzeugmaschinen gehen demnach mit rückläufigen Exporten nach China einher.

      • Banken genießen großes Vertrauen ihrer Kunden

        72 Prozent der Bankkunden in Deutschland gehen davon aus, dass Kreditinstitute mit ihren persönlichen Daten sorgsam umgehen. Keine andere Branche genießt einer aktuellen Umfrage zufolge höheres Vertrauen.

      • Neue Aufgaben für die Zentrale der Zukunft

        Unternehmen müssen agil und innovativ sein. Das althergebrachte Headquarter, von dem aus alles zentral gesteuert werden soll, scheint dazu nicht passen zu wollen. Muss die Unternehmenszentrale neu erfunden werden? 

      • So geht erfolgreiches Lead Nurturing im B2B-Segment

        Wenn nicht nur Leads, sondern in Folge auch Käufer generiert werden, ist von Lead Nurturing die Rede. Im B2B-Bereich müssen E-Mail-Marketer dafür besonders strategische sowie kontinuierliche Beziehungsarbeit leisten.

      • Globales E-Invoicing ist Herausforderung für Unternehmen

        Unternehmen sind aufgrund staatlicher Vorgaben zunehmend dazu verpflichtet, ihre Rechnungen elektronisch zu erstellen. Doch in jedem Land gelten andere rechtliche Regelungen. Entsprechend komplex gestalten sich die Prozesse. Erster Teil des Gastbeitrags.

      • Auf dem Rechtsweg ins Verderben

        Wer seinen Markt als Eigentum betrachtet und Neueinsteiger juristisch bekämpfen will, kann nur verlieren, meint Springer-Autor und Zukunftsmanager Heino Hilbig. Denn die Klage eines Taxifahrers gegen Moia wird neue Verkehrskonzepte nicht verhindern. 

      • Mit Location Based Marketing auf Neukundenfang

        Deutsche Marketing-Manager sehen in standortbasierter Werbung die Brücke, um Konsumenten online wie offline anzusprechen. Vor allem für die Neukundengewinnung setzen sie auf das Marketinginstrument.

      • Wie der Arbeitsplatz von morgen aussehen wird

        Während der Industrialisierung wanderte die Arbeit aus dem Haushalt in die Fabrik. Heute klopft sie wieder an die Haustür. Die Möglichkeit zu mehr zeitlicher und örtlicher Flexibilität, beispielsweise zur Arbeit im Homeoffice, macht vor keiner Branche mehr halt.

      • Java und JavaScript sind die beliebtesten Programmiersprachen

        Die meisten Softwareingenieure setzen auf Java und JavaScript, wenn es um die Entwicklung von Unternehmensanwendungen geht. Die angeblichen "In"-Programmiersprachen Python & Co. liegen in der Beliebtheitsskala teils weit abgeschlagen hinter den Klassikern.

      • Diese digitalen Marken sind top

        Digitale Dienste dominieren immer stärker die Markenwelt. In den Top 25 der relevantesten Marken Deutschlands machen sich analoge Marken eher rar.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Martin Klein
      Martin-​Luther-​Universität Halle-​Wittenberg,
      Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät,
      Lehrstuhl für Internationale Wirtschaftsbeziehungen
      Dr. Carsten Weerth
      Hauptzollamt Bremen
      Lehrbeauftragter an der FOM Hochschule für Oekonomie und Management

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Die „Freizone Genf“ ist ein Teil des Genfer Umlands. Die Zollvorteile der Freizone Genf stammen noch aus Napoleons Zeiten, wurden vertraglich während des Wiener Kongresses festgelegt und im Jahre 1934 noch einmal durch den Haager Gerichtshof …
      Im vorliegenden Beitrag werden die Grenzabschöpfungsraten des deutschen Finanzausgleichs für die Länder seit dem Jahr 1970 erstmals unter Berücksichtigung aller ihrer ausgleichsrelevanten Einnahmen berechnet. Die Ergebnisse zeigen die Effekte der …
      In Kap. 8 wird der Umgang mit Smartphones am Arbeitsplatz behandelt. Zweifelsohne können uns die Geräte in vielen Situationen am Arbeitsplatz entlasten. Sie ermöglichen uns vor allen Dingen mobiles Arbeiten, was gerade in modernen Gesellschaften …

      Bücher auf springer.com

      versandkostenfrei von springer.com