Direkt zum Inhalt

Europäische Kommission

Definition

Organ der Europäischen Union (EU) mit Sitz in Brüssel. Die Europäische Kommission hat ein Mitglied pro EU-Mitgliedsstaat (zzt.: 27). Sie fasst Beschlüsse als Kollegium mit einfacher Mehrheit, jedoch werden in der Praxis die meisten Beschlüsse im Konsens gefasst.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Begriff: Organ der Europäischen Union (EU) mit Sitz in Brüssel.

    2. Merkmale: Die Europäische Kommission hat ein Mitglied pro EU-Mitgliedsstaat (seit Juli 2013: 28; bis zum Brexit, am 29.3.2019, danach wieder 27); mit dem EU-Reformvertrag (Vertrag von Lissabon) sollte die Anzahl der Kommissare ab 2014 auf nur noch zwei Drittel der Anzahl der Mitgliedstaaten beschränkt werden, was jedoch durch einstimmigen Beschluss der Staats- und Regierungschefs von Dezember 2008 b. a. w. aufgehoben wurde, nicht zuletzt um die Ratifizierung des Vertrags von Lissabon durch Irland zu erleichtern. Die Europäische Kommission fasst Beschlüsse als Kollegium mit einfacher Mehrheit, jedoch werden in der Praxis die meisten Beschlüsse im Konsens gefasst. Die Europäische Kommission tritt wöchentlich einmal zur Sitzung zusammen (mittwochs oder im Falle von Plenartagungen des Europäischen Parlaments dienstags). Der Kommissionspräsident und die übrigen Kommissionsmitglieder werden von den Regierungen der Mitgliedstaaten im gegenseitigen Einvernehmen, nach Prüfung und Zustimmung des Europäischen Parlaments, für eine Amtszeit von fünf Jahren ernannt. Der Kommissionspräsident hat Richtlinien- und organisatorische Kompetenz. Die Kommissionsmitglieder üben ihre Tätigkeit in voller Unabhängigkeit (Art. 17 EUV). Ihnen sind unterschiedliche Fachbereiche zugewiesen. Der Verwaltungsunterbau der Europäischen Kommission gliedert sich in Generaldirektionen und Dienste. Die Europäische Kommission wird von Ausschüssen von Vertretern der Mitgliedstaaten unterstützt und kontrolliert (Komitologie). Als Kollegium kann sie durch ein Misstrauensvotum des Europäischen Parlaments zum Rücktritt gezwungen werden. Amtsenthebung einzelner Kommissare, etwa bei schweren Verfehlungen, ist ebenfalls möglich.

    3. Aufgaben: Die Europäische Kommission hat das Initiativmonopol in den meisten Politikbereichen. Nach der Annahme eines legislativen Vorschlags begleitet die Europäische Kommission diesen durch den gesamten Gesetzgebungsprozess und ist bestrebt, in enger Zusammenarbeit mit der Ratspräsidentschaft, die endgültige Annahme des Vorschlags durch den Rat und das Europäische Parlament zu erleichtern. Die Europäische Kommission hat außerdem exekutive Befugnisse, indem sie Unionsprogramme (Forschungsrahmenprogramm, Media, Lebenslanges Lernen etc.) verwaltet und Fördermittel vergibt. Im Haushaltsverfahren ist die Europäische Kommission verantwortlich für Aufstellung und Verwaltung des EU-Haushaltes. Als "Hüterin der Verträge" überwacht sie die Einhaltung der Verträge und des Sekundärrechts durch die Mitgliedstaaten. Dies schließt die Möglichkeit ein, ein mehrstufiges Vertragsverletzungsverfahren einzuleiten und notfalls vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) gegen Mitgliedstaaten Klage zu erheben. Im Rahmen der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) kann sie ein Defizitverfahren einleiten, als Kartellbehörde ein Bußgeld für Unternehmen verhängen oder als Wettbewerbshüterin Unternehmensfusionen genehmigen oder unterbinden. In den Außenbeziehungen verhandelt die Europäische Kommission im Auftrag des Rats der Europäischen Union internationale Abkommen und verwaltet Hilfs- und Entwicklungsprogramme. Beitritte von neuen EU-Mitgliedstaaten werden von der Europäischen Kommission vorbereitet und überwacht.

    Mindmap Europäische Kommission Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/europaeische-kommission-36502 node36502 Europäische Kommission node33843 EU node36502->node33843 node54217 Brexit node36502->node54217 node28195 Antidumpingzoll node28195->node36502 node35544 GATT node28195->node35544 node49282 tarifäre Handelshemmnisse node28195->node49282 node37062 nicht tarifäre Handelshemmnisse node28195->node37062 node46610 Societas Europaea (SE) node46610->node33843 node36330 Drittland node36330->node33843 node36365 Incoterms node36365->node33843 node49053 Zoll node49053->node28195 node34781 Europäische Zentralbank (EZB) node39490 Kooperation node39490->node36502 node33079 Finanzierung node39490->node33079 node30913 Beschaffung node39490->node30913 node29637 Absatz node39490->node29637 node47067 Zollunion node30919 Binnenmarkt node38745 Migration node54217->node34781 node54217->node47067 node54217->node30919 node54217->node38745 node52673 Soziale Medien node52673->node39490 node49553 Zahlungsbilanz node49553->node33843
    Mindmap Europäische Kommission Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/europaeische-kommission-36502 node36502 Europäische Kommission node54217 Brexit node36502->node54217 node33843 EU node36502->node33843 node39490 Kooperation node39490->node36502 node28195 Antidumpingzoll node28195->node36502

    News SpringerProfessional.de

    Literaturhinweise SpringerProfessional.de

    Bücher auf springer.com

    Sachgebiete

    Interne Verweise